Josef-Staab-Platz Kiedirch mit Wiese und Bäumen mit Blick auf das Kiedricher Rathaus und die Kirche St. Valentinus und Dionysius

Kiedricher Rathaus

Blick auf den Josef-Staab-Platz

Neujahrsempfang

5. Neujahrsempfang der Gemeinde Kiedrich


Trotz des Winterwetters mit Schnee und Eis sind viele Kiedricher Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche Gäste der Einladung der Gemeinde Kiedrich gefolgt und kamen am Montag, den 12. Januar 2026, in das Kiedricher Bürgerhaus zum 5. Neujahrsempfang der Gemeinde Kiedrich. Unter den Gästen waren über 200 Bürgerinnen und Bürger, darunter Vertreter der Politik, der Gemeindekörperschaften, den Bürgermeisterkollegen, den Kirchen, der Wirtschaft, aus Verwaltung, von den Vereinen, der Schule und den Kindergärten, Verbänden, Initiativen sowie weiterer Repräsentanten des öffentlichen Lebens.

Die Begrüßung der Gäste erfolgte durch die Vorsitzende der Gemeindevertretung Frau Beate Schmidt. Sie zitierte Franz von Sales 

Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung“ 

und meinte, dass diese Worte eine Einladung an uns alle sind – eine Einladung, die Zukunft nicht mit Sorge oder Unsicherheit zu betrachten, sondern sie als Chance zu begreifen. Sie betonte, dass in jedem Anfang die Möglichkeit liegt, Neues zu gestalten, Grenzen zu überwinden und das Leben in unserer Gemeinde aktiv zu prägen.

Danach sangen die Kiedricher Sternsänger, brachten den Segen Gottes und sammelten für Spenden zu dem Thema „Ich sage NEIN zu Kinderarbeit.“. Ein herzlicher Dank auch an die Begleiterinnen Lea Christ, Frau Daniela Archontas-Fadel und Frau Eva Hofacker für ihre Unterstützung.

Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang mit Darbietungen der KCV Big Band. Auch hierfür ein herzliches Dankeschön.

Dann trat Bürgermeister Steinmacher an das Rednerpult. Er erklärte, dass die Unsicherheit in der Welt zunimmt und gleichzeitig der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet. Die Welt zu verstehen, sich in ihr zurechtzufinden, wird immer schwieriger und die Bundesbürger empfinden dies als Gefühl, in einer besonders unsicheren Zeit zu leben. Menschen flüchten sich im Gefühl von Bedrohung und Unsicherheit in Gruppen, denen sie die Beseitigung der Unsicherheits-Auslöser am ehesten zutrauen. Die besagten Forschungen zeigen ebenso, dass Menschen in Situationen von Unsicherheit und Angst eine Tendenz zu rassistischem und aggressivem Verhalten gegenüber Menschen entwickeln, die sie als „anders“ wahrnehmen. Und gleichzeitig mehr Sympathie gegenüber Menschen, von denen sie denken, sie seien wie sie selbst. Abgrenzung und Ausgrenzung geschieht – und die Fähigkeit zum Kompromiss schwindet.

Bürgermeister Steinmacher betont, dass die Demokratie in Bedrängnis gerät. Er zitiert Dr. Kevin Casas-Zamora, den Generalsekretär des Internationalen Institutes zur Förderung von Demokratie und demokratischer Teilhabe 

Demokratie ist etwas für gute Zeiten. Wenn es rau wird, gerät sie in Schwierigkeiten.“ 

Die große Frage, die sich Bürgermeister Steinmacher nun aufgrund der rauen Zeiten stellt, lautet 

Wie also schaffen wir es, die Gesellschaft zusammenzuhalten, wie überwinden wir Gräben? Wie erzeugen wir ein besseres Verständnis und eine höhere Wertschätzung für die liberale Demokratie – die Regierungsform, die so viel an Freiheit, Frieden, Wohlstand und Würde für Menschen an so vielen Orten der Welt gebracht hat? Können wir das als Kommune überhaupt? Ist das nicht vielmehr Aufgabe von Regierungen und Staatengemeinschaften?“

Und Bürgermeister Steinmacher sagt betonend 

Ja, wir können das!"

Gerade wenn die Gesellschaft im „Großen“ immer weiter auseinanderdriftet, wird der Zusammenhalt im „Kleinen“ umso bedeutsamer. Wir müssen eintreten und uns stark machen für eine gerechte, vielfältige, solidarische und integrative Gesellschaft. Für Vertrauen in Politik und Institutionen, für starke soziale Gemeinschaften, für dialogische Bürgerbeteiligung und für gute und transparente Kommunikation. Denn eine Demokratie ist immer nur so stark wie ihre Zivilgesellschaft und hierzu zählen wir Alle. Bürgermeister Steinmacher meint 

Unsere Demokratie ist wertvoll und schützenswert. Sie ist weit mehr als ein politisches System – sie ist das Fundament unserer Freiheit, unserer Mitbestimmung und unseres friedlichen Miteinanders. Die Demokratie bietet den anderen Weg, d.h. dass Meinungsverschiedenheiten durch Wahlen, durch Debatten, durch Kompromisse und nicht mit Waffen gelöst werden. Dies macht uns stark und widerstandsfähig.“ 

Bürgermeister Steinmacher betonte, dass unsere demokratischen Werte nicht als selbstverständlich anzusehen sind, sondern gelebt werden müssen und das Tag für Tag. Man muss sie mit Mut und Zuversicht weitertragen – für uns, für unsere Kinder und für die kommenden Generationen.

Ihm ist es wichtig, dass gerade in diesem Jahr viel miteinander geredet wird. Er teilte mit, dass die Kreis- und Kommunalwahlen und davor und dazwischen jeweils ein Wahlkampf anstehen. Er bittet darum, dass es den wahlwerbenden Parteien gelingen möge, Argumente auszutauschen statt Anschuldigungen und Ideen statt Verwünschungen. Auch ein konstruktiver Streit ist in Ordnung, sofern man dabei niemals den Boden der Vernunft verlässt. Er wünscht sich Vernunft für unsere Heimat, Vernunft in allen politischen Parteien und betonte, dass es eine Zeit nach der Wahl gibt, in der sich alle noch in die Augen sehen können. Es gehe in einer Demokratie nicht darum, dass alle die gleiche Meinung haben. So wie die freie Meinung zur Demokratie gehört, gehört es auch zur Demokratie, andere Meinungen und Sichtweisen auszuhalten und zu akzeptieren (sofern sie faktenbasiert und nicht gegen unsere Verfassung gerichtet sind). Er ist der Meinung, dass Demokraten dies wissen und können.

Bürgermeister Steinmacher erklärte, 

Wenn ich am Beginn eines neuen Jahres auf die beschriebenen Herausforderungen blicke, dann tue ich das mit sehr großem Respekt, aber ohne Furcht. Ich glaube nämlich fest daran, dass wir als Gemeinde und Gesellschaft stark genug, klug genug und gefestigt genug sind, um die Herausforderungen zu meistern.“

Bevor er mit einer Präsentation einen Rückblick auf das vergangene Jahr 2025 startete, gedenkte er den Verstorbenen des vergangenen Jahres, u.a. Friedel Quatsch und dem Kiedricher Bürgermeister a. D. Siegfried Siems (Amtszeit vom 01.09.1973 bis zum Eintritt in den Ruhestand am 01.07.1989).

Im Rückblick ging Bürgermeister Steinmacher auf die vergangenen weltpolitischen, Rheingauer und Kiedricher Ereignisse der einzelnen Monate ein. Dies waren unter anderem:

  • die Verabschiedung des Ortsgerichtsvorstehers Wilfried Ringel und der Vereidigung des neuen Ortsgerichtsvorsteher Georg Sohlbach
  • die Verleihung des Ehrenbriefes an Konstantin Wolf
  • das 50-jährige Jubiläum des Dienstagsclubs
  • der Jugenddialog, der das Ziel verfolgt, Kiedrich noch lebenswerter, attraktiver und jugendfreundlicher zu gestalten
  • die Sportlerehrung
  • das 50. Rieslingfest
  • der Förderpreis Junges Ehrenamtliches Engagement
  • die Eröffnung des WALD.WEIT Rheingau Hotel & Retreat und der Mountainbike-Strecke
  • das Champagnerfest
  • der Soccer Cup des 1. FC Kiedrich
  • das Sommerfest des Malteser Hilfsdienst Ortsverbandes Kiedrich e.V.
  • das Jubiläumskonzert der KCV BigBand und Little German Dancers Band aus North Carolina, die auch Kiedrich mit der „Fahrenden Straußwirtschaft“ zum Hessentag in Bad Vilbel begleiteten
  • die Jubiläumsfeier 30 Jahre Kindertagesstätte Hickelhäusje
  • das Backesfest der Sängervereinigung
  • der neue Revierförster Philipp Dierich
  • der WYLD Charity Run Rheingau mit dem Spendenergebnis von 85.000 € (7.500 € hieraus für den Kiedricher Spielplatz am Weinprobierstand)
  • die Eröffnung des neuen Spielplatzes am Weinprobierstand
  • der Jugendaustausch des Freundschaftsbundes Kiedrich-Hautvillers
  • der Weinsteig und Kiedrich „Wein & Genuss“ – Höfefest der Winzer
  • das Helferfest „Eltviller Tisch“
  • das Sommerfest der Kiedricher Senioren
  • die Feierstunde zur 40-jährigen Tätigkeit von Heinz Trunk als Ehrenbeamter im Ortsgericht Kiedrich und die Vereidigung neuer Schöffen
  • die Vorstellung IKZ Klimaanpassungsschutzkonzept für den Oberen Rheingau
  • die Kiedricher St. Valentinus-Wallfahrt
  • der Glockenspaziergang zum „Tag des offenen Denkmals“
  • das große regionale Engagement beim Süwag Social Day und die Süwag Mitarbeiter, die verschiedene Pflegearbeiten auf den Kiedricher Friedhöfen durchführten
  • das Sommerfest des TC Kiedrich mit Auszeichnung der Vereinsmeister 2025
  • das Orgelkonzert für John-Sutton
  • die Übergabe von Bewilligungsbescheiden zur Förderung der Dorf- und Regionalentwicklung in Kiedrich
  • ein durch den Elternbeirat organisiertes Frühstück für die Kinder der Kindertagesstätten Hickelhäusje und St. Valentin sowie der Tagespflegeeinrichtungen Flohzirkus, KinderZeit und Ohana anlässlich des Weltkindertages
  • Verleihung Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Dr. Tamar Halperin und Prof. Andreas Scholl
  • 70.000 Euro Förderung durch das Land Hessen für die Machbarkeitsstudie zum Projekt „Rheingau für Alle“
  • die Einweihung neuer Räumlichkeiten MHD im St. Valentinushaus
  • der Bachata-Weltrekordversuch in Eltville: 56 Paare tanzen für den guten Zweck (Startgebühren und Spenden ergaben über 128.000 Euro für die NCL-Stiftung, die sich für die Erforschung unheilbarer Kinderdemenz einsetzt)
  • die Kampagneneröffnung des KCV
  • das Neubürgertreffen in Kiedrich
  • der Volkstrauertag
  • das Jubiläumskonzert der KCV BigBand „Swing & Christmas Time“
  • die Einbringung der Haushaltssatzung und des Haushaltsplans für das Jahr 2026
  • die Übergabe der Förderbescheide für Dorf- und Regionalentwicklung in Oestrich-Winkel (es wurden u.a. Ausstattungen und Pavillons für Vereine in Kiedrich gefördert)
  • die Premiere im Rheingau: Der erste Mundartadventskalender zum Lauschen
  • die besinnliche Seniorenweihnachtsfeier in Kiedrich
  • die Adventskonzerte der Kiedricher Chorbuben
  • das 60 jährige Jubiläum der Verein der Freunde des Chorstifts Kiedrich
  • die Übergabe des Friedenslichts
  • die Öffnung des 20. Türchen des Eltvillers Adventskalenders durch „Die Drei im Rheingau" (Bürgermeister Patrick Kunkel, Nico Stavridis und Winfried Steinmacher)
  • das Benefizkonzert zugunsten des Eltviller Tisch
  • der baldige Abschluss des Ausbaus des Glasfasernetzes

Bürgermeister Steinmacher machte auch einen Ausblick in die Zukunft und nannte die folgenden Projekte:

  • die Verlegung der Gasdruckregelstation
  • der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen
  • das Wohngebiet Hochfeld
  • der neue Bauhof im Hochfeld
  • der Solarpark Hahnwaldwiesen
  • der Neubau eines Kindergartens
  • der Bau von Seniorenwohnungen
  • die Finanzielle Stabilität und Verantwortung

Bürgermeister Steinmacher betonte in seiner Ansprache, dass wir nur gemeinsam vorankommen und in der Welt Veränderungen vorantreiben und diese nach menschlichen Idealen und Zielen gestalten, können. Wir alle wissen: Eine Welt im Krieg, ist keine lebenswerte Welt – für keinen von uns und vor allem nicht für unsere Kinder und deren Kinder. Wenn wir die Türen zum Frieden aufstoßen, sichern wir die Zukunft ganzer Generationen und Menschen müssen nicht mehr durch die Fluchttür gehen und können in ihrer Heimat bleiben. Gemeinschaft sei dabei nicht nur der Schlüssel zum Frieden. Sie schafft auch Vertrauen, lässt Freundschaften erwachen und verbindet Menschen.

Bürgermeister Steinmacher zieht ein Fazit. Er sagt:

Wir alle spüren: Die Zeiten sind anspruchsvoll. Gemeinsam mit Ihnen, unseren engagierten Bürgerinnen und Bürgern und vielen Unterstützern auf Kreis- und Landesebene, werden wir auch 2026 jeden Tag nicht verzagen, sondern positiv nach vorne gehen. In der über 1000-jährigen Geschichte unserer Gemeinde gab es immer wieder Höhen und Tiefen. Viele Generationen haben mitgewirkt, dass unser Kiedrich so besonders ist, so besondere Orte hat. Dank besonderer Menschen wie Ihnen allen. Bleiben wir eine tolerante, lebens- und liebenswerte Gemeinde, in der sich alle Bürgerinnen und Bürger sicher und wohl fühlen und das Miteinander wichtiger ist als das Trennende. Bleiben Sie zuversichtlich, optimistisch, beginnen und beenden Sie die Tage im neuen Jahr mit einem Lächeln. Und bleiben Sie miteinander positiv verbunden und im offenen Gespräch, heute hier beim Empfang, zuhause in der Familie, im Beruf.“

Zum Abschluss wünschte er allen ein gutes, gesundes, friedvolles und kraftvolles Jahr 2026.